Studien und Hintergrund zu den Inhaltsstoffen
Elf Zutaten, elf sehr unterschiedliche Forschungsgeschichten. Ein Mineralstoff, dessen Essenzialität die Wissenschaft ein halbes Jahrhundert lang diskutiert hat. Ein Alkaloid aus der chinesischen Medizin, an dem sich Pharmakologen bis heute die Zähne ausbeißen. Und ein Molekül aus der Chilischote, das 2021 zum Nobelpreis führte. Hier steht, was zu den Inhaltsstoffen von Mendorex in den jeweiligen Mengen bekannt ist — Herkunft, Chemie, Forschungsstand. Die Zusammensetzung mit allen Mengenangaben findest du auf der Produktseite.
Chrom: fünfzig Jahre Debatte um ein Spurenelement
Chrom ist der einzige Mineralstoff in der Rezeptur, mit 100 µg je Kapsel und 250 % des Nährstoffbezugswerts. 1959 beschrieben Schwarz und Mertz einen Chromkomplex, den sie „Glukosetoleranzfaktor“ nannten — eine Substanz, die sich anschließend jahrzehntelang nicht sauber isolieren ließ. Der Biochemiker John B. Vincent hat den Forschungsstand mehrfach kritisch gesichtet — und dabei gefragt, ob Chrom die Kriterien der Essenzialität überhaupt erfüllt (Vincent, Dalton Transactions, 2010 — Link verifizieren). Chrompicolinat, die hier verwendete Form, entstand aus einem praktischen Problem: Anorganische Chromsalze werden im Darm nur zu deutlich unter einem Prozent aufgenommen. Die Picolinsäure umschließt das Chrom als Chelat, was die Aufnahme verbessert (DiSilvestro & Dy, Journal of Trace Elements in Medicine and Biology, 2007 — Link verifizieren). Chrom ist zugleich der einzige Inhaltsstoff mit zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben in der EU; sie stehen weiter unten im Wortlaut.
Grüntee-Extrakt: die Chemie hinter 154 Milligramm
Camellia sinensis wird in China seit mindestens der Tang-Dynastie systematisch angebaut. Grüner Tee unterscheidet sich von schwarzem allein durch die Verarbeitung: Wird das Blatt kurz nach der Ernte erhitzt, inaktiviert das die Polyphenoloxidase, und die Catechine bleiben weitgehend unverändert erhalten. Das mengenmäßig wichtigste unter ihnen ist Epigallocatechin-3-gallat, kurz EGCG. Wie es im Körper verarbeitet wird, ist gut untersucht. Nach oraler Gabe erreicht EGCG die Blutbahn nur zu einem geringen Anteil und wird rasch glucuronidiert und methyliert (Chow et al., 2003 — Link verifizieren). Zur Sicherheit von Grüntee-Extrakten liegt eine systematische Übersicht vor, die zwischen Aufguss und konzentriertem Extrakt klar differenziert (Hu et al., Regulatory Toxicology and Pharmacology, 2018 — Link verifizieren). Die EFSA hat 2018 eine eigene Bewertung zu Grüntee-Catechinen veröffentlicht, aus der die heutigen EU-Kennzeichnungsvorgaben hervorgingen.
Apfelessig: zwei Fermentationen, eine Säure
Apfelessig entsteht in zwei Fermentationsschritten hintereinander: Hefen vergären den Fruchtzucker des Apfelmosts zu Ethanol, anschließend oxidieren Essigsäurebakterien der Gattung Acetobacter diesen Alkohol zu Essigsäure. Für den Vorderen Orient ist das Verfahren seit Jahrtausenden belegt; über lange Zeit ging es dabei vor allem ums Konservieren. Handelsüblicher Apfelessig enthält rund fünf Prozent Essigsäure. Dazu kommen Apfelsäure, Polyphenole aus der Fruchtschale und Spuren von Mineralstoffen. In Mendorex stecken 150 mg als getrocknetes Pulver.
Berberin: das gelbe Alkaloid und sein Bioverfügbarkeits-Rätsel
Berberin ist ein Isochinolinalkaloid und der Grund, warum die Wurzelrinde von Berberitze, Kanadischer Gelbwurz und Coptis chinensis leuchtend gelb ist — früher färbte man damit auch Textilien. In der chinesischen Arzneimittelkunde ist Huanglian seit dem Shennong Bencao Jing verzeichnet. Pharmakologisch verhält sich Berberin eigenwillig. Es wird im Darm gut aufgenommen, dann aber durch einen ausgeprägten First-Pass-Effekt und aktiven Rücktransport über P-Glykoprotein größtenteils wieder aus dem Blut entfernt. Am Ende bleibt eine orale Bioverfügbarkeit im einstelligen Promillebereich. Klinisch relevanter ist ein anderer Befund: In einer Untersuchung an gesunden Freiwilligen hemmte Berberin nach wiederholter Einnahme die Cytochrom-P450-Enzyme CYP2D6, CYP2C9 und CYP3A4 messbar (Guo et al., European Journal of Clinical Pharmacology, 2012 — Link verifizieren). Daraus ergibt sich der Wechselwirkungshinweis auf der Produktseite: Von allen elf Zutaten ist Berberin die, bei der das Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt zählt.
Ingwer: Gingerole, Shogaole und was beim Trocknen passiert
Das Rhizom von Zingiber officinale stammt ursprünglich aus Südostasien und reiste früh über die Gewürzrouten nach Europa; das römische Preisedikt Diokletians von 301 n. Chr. führt es bereits auf. Schärfe und Geschmack gehen auf die Gingerole zurück, allen voran 6-Gingerol. Beim Trocknen und Erhitzen wandelt sich ein Teil davon in Shogaole um — deshalb schmeckt getrockneter Ingwer anders und schärfer als frischer. Wie der Körper diese Verbindungen aufnimmt, hat eine Pharmakokinetik-Studie an gesunden Probanden untersucht; im Plasma fanden sich fast ausschließlich Glucuronid- und Sulfatkonjugate, kaum freie Gingerole (Zick et al., 2008 — Link verifizieren). In Mendorex sind 50 mg Wurzelpulver enthalten.
Zimt: warum Cassia nicht Ceylon ist
Zimt stammt aus der getrockneten inneren Rinde von Bäumen der Gattung Cinnamomum. Im Handel dominieren zwei Arten mit deutlich unterschiedlicher Chemie: Ceylon-Zimt (C. verum) und Cassia-Zimt (C. cassia), der hier verwendet wird. Beide enthalten Zimtaldehyd als Hauptaromastoff, unterscheiden sich beim Cumaringehalt aber erheblich — Analysen von Handelsproben zeigten in Cassia-Zimt Werte, die die von Ceylon-Zimt um Größenordnungen übersteigen (Blahová & Svobodová, The Scientific World Journal, 2012 — Link verifizieren). Das BfR hat für Cumarin eine tolerierbare tägliche Aufnahmemenge von 0,1 mg pro Kilogramm Körpergewicht abgeleitet. Bei 20 mg Cassia-Rinde je Kapsel bleibt der rechnerische Cumaringehalt weit darunter; wir nennen die Art trotzdem, weil sie zur Einordnung gehört.
Bitterorange: Synephrin unter Beobachtung
Citrus aurantium ist vermutlich eine sehr alte Kreuzung aus Mandarine und Pampelmuse. Über den arabischen Mittelmeerhandel kam sie nach Europa, lange bevor die Süßorange folgte. In der Frucht findet sich p-Synephrin, ein Phenethylamin-Alkaloid. Wie viel davon in einer Probe steckt, hängt von Sorte, Reifegrad und Pflanzenteil ab — analytische Arbeiten mit HPLC und Kapillarelektrophorese haben diese Variabilität dokumentiert (Pellati & Benvenuti, Journal of Chromatography A — Link und Jahr verifizieren). Behörden schauen seit Jahren genau auf Synephrin: Das BfR hat synephrinhaltige Erzeugnisse mehrfach bewertet, insbesondere in Kombination mit Koffein. Die enthaltene Menge beträgt 20 mg Fruchtpulver.
Cayenne: ein Rezeptor, ein Nobelpreis
Capsaicin ist das Molekül, das die Schärfe der Chilischote ausmacht, und seine Aufklärung ist eine der schöneren Geschichten der modernen Sinnesphysiologie. 1997 identifizierte die Arbeitsgruppe von David Julius den Rezeptor, an den Capsaicin bindet: einen Ionenkanal, der auch auf Temperaturen oberhalb von etwa 43 °C reagiert und heute als TRPV1 bezeichnet wird (Caterina et al., Nature, 1997 — Link verifizieren). Damit war klar, warum Schärfe kein Geschmack ist, sondern eine Hitzeempfindung. Julius erhielt 2021 gemeinsam mit Ardem Patapoutian den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. Capsicum annuum selbst kam erst nach 1492 aus Mesoamerika über den Atlantik — die Schärfe der indischen und Sichuan-Küche ist historisch jung.
Banaba: der Baum von den Philippinen
Lagerstroemia speciosa wächst als Blütenbaum in Südostasien und trägt auf den Philippinen den Namen Banaba; traditionell übergießt man die Blätter mit heißem Wasser. Chemisch dominieren zwei Substanzgruppen: das Triterpen Corosolsäure und die Ellagitannine, unter denen Lagerstroemin am bekanntesten ist. Der Corosolsäuregehalt der Blätter schwankt je nach Erntezeitpunkt und Standort, deshalb stellt die Forschung Extrakte meist auf einen festen Prozentsatz ein. Die Menge in Mendorex beträgt 5 mg Blattpulver.
Ginseng: Blatt statt Wurzel — ein Unterschied, der zählt
Wer Ginseng hört, denkt an die Wurzel. In dieser Rezeptur stecken jedoch 5 mg der oberirdischen Pflanzenteile, also Blatt und Kraut — und das ist chemisch nicht dasselbe. Die charakteristischen Triterpensaponine der Gattung, die Ginsenoside, sind in der Pflanze sehr ungleich verteilt: Wurzel, Blatt, Blütenstand und Beere zeigen jeweils eigene Profile, wobei die Blätter bestimmte Ginsenoside der Protopanaxadiol-Gruppe in vergleichsweise hoher Konzentration enthalten. Der weit überwiegende Teil der klinischen Ginseng-Forschung wurde mit Wurzelextrakten durchgeführt; Ergebnisse daraus lassen sich auf das Blatt nicht ohne Weiteres übertragen. Wir schreiben den Pflanzenteil deshalb ausdrücklich in die Deklaration.
Resveratrol: gut aufgenommen, kaum verfügbar
Resveratrol ist ein Stilben, das Pflanzen als Reaktion auf Pilzbefall bilden. Berühmt wurde es durch den Rotwein. Industriell gewonnen wird es aber fast immer aus dem Japanischen Staudenknöterich (Polygonum cuspidatum), dessen Wurzel in Japan als Itadori-Tee und in der chinesischen Medizin als Hu Zhang verwendet wird. Resveratrol steht in jedem Lehrbuch zur Bioverfügbarkeit: In einer Studie an gesunden Freiwilligen wurden nach oraler Gabe über 70 % der Dosis resorbiert, im Plasma erschien freies Resveratrol jedoch nur in Spuren — nahezu alles lag als Glucuronid oder Sulfat vor (Walle et al., Drug Metabolism and Disposition, 2004 — Link verifizieren). Studien arbeiten deshalb meist mit mehreren hundert Milligramm bis hin zu Grammmengen; Mendorex enthält 1 mg.
Was das rechtlich bedeutet
Von den elf Inhaltsstoffen hat genau einer zugelassene gesundheitsbezogene Angaben: Chrom. In der EU sind dafür zwei Formulierungen freigegeben, beide gelten nur im Wortlaut des Registers:
- Chrom trägt zur Aufrechterhaltung eines normalen Blutzuckerspiegels bei.
- Chrom trägt zu einem normalen Stoffwechsel von Makronährstoffen bei.
Für Grüntee-Extrakt, Apfelessig, Berberin, Ingwer, Zimt, Bitterorange, Cayenne, Banaba, Ginseng und Resveratrol existiert keine zugelassene Angabe. Ein Teil der pflanzlichen Anträge hängt seit Jahren im sogenannten On-Hold-Status fest: Die EFSA hat sie noch nicht abschließend bewertet, weshalb weder Zulassung noch Ablehnung vorliegt. Die auf dieser Seite genannten Arbeiten beschreiben deshalb, was zu Herkunft, Chemie, Aufnahme und Verträglichkeit der einzelnen Substanzen publiziert wurde. Über die Wirkung von Mendorex sagen sie nichts aus. Wir zitieren sie, weil eine offengelegte Rezeptur mehr wert ist als ein Versprechen.
ℹ️ Hinweis: Mendorex ist ein Nahrungsergänzungsmittel und kein Arzneimittel. Zusammensetzung, Einnahme, Sicherheitshinweise und die vollständige Deklaration stehen auf der Startseite.